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Adventskalender 2025:Türchen 23 - Impuls

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Datum:
23. Dez. 2025
Von:
Christoph Klein

Weihnachten in Zeiten des Abschieds

In meiner Kindheit gab es in der Advents- und Weihnachtszeit viele wiederkehrende Rituale. War es dann endlich Heiligabend durften wir am Nachmittag immer irgendwann den Fernseher einschalten und die Sendung „Wir warten aufs Christkind“ anschauen. Mein Bruder, später dann meine Brüder und ich waren beschäftigt und meine Eltern setzten sich ins Auto und fuhren mit diesem zur Beichte. Häufig fuhren sie nach Ommerborn und im ein oder anderen Jahr waren die Straßen vereist und verschneit.

Für mich als Kind begann damit jedes Mal eine Zeit der Angst. Der Angst davor, den Eltern könnte etwas passieren. Den Eltern sollte niemals etwas passieren aber die Vorstellung, dass ausgerechnet an Heiligabend oder an Weihnachten etwas Schlimmes passiert, war schier unvorstellbar. Wie solle man dann jemals wieder Weihnachten feiern können? Unvorstellbar!

Meine Eltern kehrten immer wieder unbeschadet zurück und eine wunderbare Kindheit nahm ihren unbeschwerten Lauf, auch an all den einmaligen wunderschönen Weihnachtsfesten, die wir als Kinder mit unseren Eltern feiern durften.

Nun sind seit dieser Zeit über vierzig Jahre vergangen und inzwischen weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man – nicht ohne Eltern – aber ohne Vater das Weihnachtsfest feiern muss. Bereits zu der oben beschriebenen Zeit war mein Vater erkrankt. Zeitlebens reihten sich immer wieder neue Krankheiten wie die Perlen einer Kette aneinander. Ich kannte ihn nicht anders als krank. Krankheiten, die nicht selten lebensbedrohlich waren, doch er hat nie gejammert oder dadurch seinen Lebensmut und schon gar nicht seinen Humor verloren. Er war für uns alle immer da, ganz besonders auch für seine Enkel.

In der letzten Woche vor Weihnachten ging alles ganz schnell. Mein Vater war wenige Tage zuvor mal wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Diesmal allerdings in einem Zustand, der die Versorgung durch den SAPV erforderte und so wurde das Palliativteam schnellstens mit einbezogen. Schnell war klar, der letzte Abschnitt seines Lebens ist nun unaufhaltsam angebrochen. Hatten wir am 4. Advent noch gemeinsam zu Mittag gegessen und selbst am folgenden Mittwoch saß er noch mit Besuchern in der Küche am Tisch, konnte er bereits einen Tag später das Bett nicht mehr verlassen. Die Einschätzung der Pflegerin war, dass es sich nur noch um Stunden, vielleicht einen, vielleicht einen weiteren Tag handeln würde.

Mit dieser Gewissheit ging es weiter auf Weihnachten zu und im Gegensatz zur Angst der Kindheit verspürte ich eine zuvor nie erwartete Wärme und Geborgenheit am Krankenbett meines sterbenden Vaters und im Kreis meiner Familie. Diese Wärme und gleichzeitig die Nähe zu Gott hat auch er gespürt und wahrgenommen. Die abgebende Welt, die ihn wunderbar begleitete und sich verabschiedete, die erwartende Welt, die ihm mit offenen Armen entgegenkam und ihn dann am Abend des 23. Dezember aufnahm. Friedlich machte er einen letzten Atemzug, um uns dann vorauszugehen.

Über die Weihnachtstage habe ich damals viel Trost und Zuspruch erfahren und natürlich flossen immer wieder Tränen der Trauer und man dachte über Vieles nach. Immer wieder hörte ich dann auch Sätze wie: „Mein Beileid, frohe Weihnachten kann man euch ja dieses Jahr leider nicht wünschen“. Was soll ich sagen!?! Es stimmte nur bedingt! Weihnachten war für mich in diesem Jahr vielleicht nicht fröhlich, dafür aber umso gesegneter. Noch nie war die Erlösung durch die Menschwerdung Gottes für mich so greifbar wie in diesem Jahr. Selten habe ich so viel Wärme und Geborgenheit gespürt.  

Und fröhlich war es auch noch – nur halt anders – Danke Papa!

Gesegnete Weihnachten

© Christoph Klein